3-Min-Artikel: Falsch oder wahr? Strategieentwicklung und –umsetzung sind identisch

Roger Martin ist großartig. Mein Lehrmeister in puncto Strategieentwicklung, seit gut 7 Jahren. Er hat mein Denken geschliffen; mich ermutigt genau hinzusehen. Nicht stehenzubleiben bei vermeintlichen Wahrheiten, sondern stetig weiter zu suchen, auch wenn ich dadurch den Main Stream verlasse. Dafür aber die Zukunft, heißt die Nutzerbedürfnisse, klarer erfasse. Von ihm stammt die brillante Definition für Strategie als ein Bündel von Entscheidungen, um dem Nutzer dauerhaft einen überlegenen Wert und nachhaltigen Vorteil zu bieten.
Roger Martin ist ein Kämpfer. Klar im Standpunkt. Leidenschaftlich im Ringen um den stimmigen Weg. Und dabei großzügig. Nicht besserwisserisch. Oder zu selbstverliebt.
Deshalb nehme ich Impulse von ihm sehr gern an, wie lange ich auch auf seinen Denkanstößen kaue; sie sind oft erst sperrig, doch dann Perspektiv-erweiternd. Deshalb teile ich sie hier mit Ihnen, damit Sie Erkenntnisse für den Erfolg Ihrer gemeinnützigen Organisation gewinnen.

 

Roger Martin life

Begründen Sie Ihr Vertrauen zu Roger Martin zusätzlich zu meinen Worten, indem Sie ihn hier im 2-Minuten-Video life erleben. Darin wirbt er dafür, die quantitativen Analysen der Vergangenheit stärker mit qualitativen Nutzerrückmeldungen zu kombinieren, um sich unserer Zukunft, die noch unbekannt im Nebel liegt, zu nähern

Aktuell nimmt der Vordenker die so beliebte Unterscheidung zwischen Strategieentwicklung und Strategieumsetzung in den Blick. Er formuliert: Die Unterscheidung zwischen beiden Aufgaben ist nicht nur fruchtlos, sondern eine gefährliche Bremse für den wirtschaftlichen Erfolg Ihrer Organisation. Wie begründet er diese These?

 

Gefährliche Metapher von Kopf und Hand

Roger Martin hat zweierlei häufig beobachtet:

Erstens wird eine Organisation gern mit dem menschlichen Körper verglichen. In dieser Metapher ist Strategieentwicklung der Kopf, Strategieumsetzung die Hand. Strategieentwicklung ist Aufgabe der obersten Ebenen einer Organisation und bedeutet, das Richtige zu denken und zu entscheiden. Es ist ziemlich edel. Strategieumsetzung hingegen findet auf den unteren Ebenen einer Organisation statt und heißt, ohne zu denken und zu entscheiden einfach nur das Richtige zu tun. Das ist ziemlich unedel, tump.

Zweitens gibt es eine scharfe Trennlinie zwischen den beiden Aufgaben, so dass Verantwortlichkeiten problemlos zugeordnet werden können: Hat eine Organisation Erfolg, so war die Strategieentwicklung richtig. Die Anerkennung erntet die obere Etage. Hat die Organisation jedoch Misserfolg, lag es an der schlechten Ausführung. Die Schuld trägt die untere Ebene. Also müssen Strategieberater her, um sowohl der unteren Ebene die Strategie zu erklären als auch umgekehrt der oberen Ebene die Probleme der unteren Ebene zu vermitteln. Diese Leistung verkauft etwa der Strategieberater Eigenland an Profits und Nonprofits in Form eines Spiels. Solche Beratungen kosten jeweils viel Geld, Zeit und Kraft.

 

Wir Menschen entscheiden immer

Weil die Metapher von Kopf und Hand mehr schlecht als recht trägt, fragt Roger Martin schlicht, ob die Metapher stimmt. Gibt es bei uns Menschen überhaupt ein Umsetzen ohne Entscheiden? Entscheidet sich der Portier nicht dazu, die Gäste freundlich am Empfang zu begrüßen? Entscheidet der Goßspender-Fundraiser nicht, jetzt noch das Telefonat mit dem Großspender zu führen statt Mittagspause zu machen? Für Roger Martin steht fest, dass wir nur umsetzen, wozu wir uns entscheiden. Diese Freiheit haben wir. Immer. Egal wo. In einer Organisation entscheiden wir uns auf allen Ebenen.

Diese Erkenntnis ist fundamental. Denn ihr folgt ein anderes Verständnis für Strategieentwicklung und Leadership; letzteres reiße ich jetzt nur an, dazu lesen Sie hier an anderer Stelle wieder mehr.

 

Strategieentwicklung passiert in der Umsetzung

Roger Martin hebt die konstruierte Trennlinie zwischen Strategieentwicklung und –umsetzung auf. Weil ein ‚Die entscheiden, die setzen um‘ in seinen Augen davon ablenkt, auf allen Ebenen stets im Bewusstsein von Entscheidungen zu denken und zu handeln. Entscheidungen, die das noch unbefriedigte Bedürfnis der Nutzer befriedigen.

Mit der Entscheidungsfreiheit geht einher, heute noch anders verfahren zu können als gestern. Routinen selbstständig und bewusst zu ändern. Mehr zu probieren. Innovativer zu werden. Stets dem überlegenen Wert und nachhaltigen Vorteil für den Nutzer auf der Spur.

Die saubere Methode zur Strategieentwicklung im Vollzug ist das Lean Experimentation/ Schlanke Experimentieren (oder in meinen Worten das denkende Handeln). Es hilft, Annahmen, Testläufe und Erkenntnisse festzuhalten und alles andere als blind von einer Entscheidung zur anderen zu torkeln.

Abschließend betont Roger Martin, Entscheidungen im Ergebnis als die Erfahrung zu betrachten, die der Nutzer mit der Organisation macht. Unter diesen Vorzeichen sind dann gute Strategieentwickler gute Strategieumsetzer und gute Umsetzer gute Entwickler. Zitat: The very best strategic leadership helps the entire organization understand that all of its choices result in the strategy that customers experience. Vorgesetzte sind in der Philosophie der Strategieentwicklung nach Roger Martin nicht mehr – bildlich gesprochen – Einpeitscher, sondern Unterstützer, die immer wieder ihren Teammitgliedern bei ihrer Entscheidungsfindung zur Seite stehen.

 

Viel Mut und Erfolg Ihnen bei Ihren Entscheidungen zur Befriedigung des unbekannten Nutzerbedürfnisses.

Ich bin an Ihrer Seite

Mit meiner Beratung kommen Sie schneller ans Ziel!